Internetzugang im Hotel: Ohne WLAN sind die Sterne weg

 

So manchem deutschen Hotelier mag die Nachricht Schweißperlen auf die Stirn getrieben haben: Europas Hotelprüfer haben die Kriterien für die Vergabe von Hotelsternen überarbeitet.

Diesmal steckt nämlich mehr im neuen Kriterienkatalog als “nur” die Vorgabe der Matratzendicke oder der Badezimmerausstattung. Denn: Seit Januar 2015 wird ein Internetzugang – egal ob kabelgebunden oder über WLAN – in öffentlichen Bereichen, das heißt zum Beispiel in der Lobby oder Bar, zur Mindestanforderung für Zwei-Sterne-Hotels. Ab drei Sternen ist dann schon DSL oder WLAN auf den Zimmern Pflicht.

Diese Entwicklung ist durchaus nachvollziehbar angesichts der konstant steigenden Zahlen an mobilen Endgeräten und dem damit einhergehenden Wunsch immer und überall online zu sein.

Den Gast freut es, der Hotelier grübelt. Zumindest hierzulande.

Denn für deutsche Hoteliers kommt der aktualisierte Kriterienkatalog zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

In Deutschland ist das nämlich so eine Sache mit öffentlichen Internetzugängen. Gehen wir mal von einem Drei-Sterne-Hotel aus, das, ganz konform mit dem Kriterienkatalog, sich dafür entscheidet, seinen Gästen einen Internetzugang anzubieten. Der Hotelier möchte sowohl höchsten Komfort für seine Gäste als auch möglichst geringe Kosten für die Modernisierung der Infrastruktur. Er entscheidet sich also bewusst gegen die aufwendige Nachverkabelung und für eine kabellose Lösung, also WLAN. Das ist nicht nur günstiger, weil keine Strippen gezogen werden müssen, auch die Gäste freut es. Schließlich geht es heute nur noch selten per Laptop ins Netz. Viel häufiger sind Smartphones und Tablets – an denen man jedoch vergeblich eine Netzwerkschnittstelle sucht.

Spätestens an dieser Stelle muss sich der Hotelier mit einem echten Ärgernis auseinandersetzen: der so genannten Störerhaftung. Und hier landet der Hotelbetreiber in einer echten Zwickmühle: Entweder er betreibt das Gäste-WLAN selber und geht ein mögliches Haftungsrisiko – und damit verbunden auch ein finanzielles Risiko (Stichwort: Abmahnung) – ein, oder er greift zu einer Provider-Lösung und ist rechtlich auf der (fast) sicheren Seite. Szenario zwei wirkt sich dann allerdings oft auch auf den Inhalt der Geldbörse des Gastes aus. Schließlich muss der Hotelier die Kosten für den Provider-Hotspot ja irgendwie ausgleichen.

Wie Sie es auch drehen und wenden, ideal ist das nicht. Nur Rechtssicherheit kann hier wirklich Abhilfe schaffen. Deshalb wiederhole ich mich an dieser Stelle auch (un)gerne: Die WLAN-Störerhaftung muss endlich vernünftig geregelt, alle Anbieter öffentlicher Internet-Zugänge müssen rechtlich gleichgestellt werden! Egal, ob Provider im klassischen Sinn – oder eben der Hotelier, der seinen Gästen einen zusätzlichen, zeitgemäßen Service bieten will (beziehungsweise neuerdings sogar muss…).

Zugesichert hatte uns das unsere Regierung ja eigentlich bereits im Koalitionsvertrag im Herbst 2013. Nur: geschehen ist noch nichts. Und die aktuell wieder aufgeflammten Diskussionen über eine etwaige Vorratsdatenspeicherung dürften weitere Steine in den Weg legen. Schließlich stehen deren Befürworter offenen WLANs grundsätzlich misstrauisch gegenüber und könnten jetzt zur weiteren Bremse werden.

Der neue europäische Sternekatalog (ja, die Liste gilt nicht nur in Deutschland, sondern in insgesamt 14 weiteren europäischen Ländern) ist jedoch noch ein Grund mehr, auf eine schnelle Entscheidung der Politik zu drängen. Sonst hängt Deutschland bald nicht mehr nur bei der WLAN-Abdeckung im europäischen Vergleich hinterher. Auch mit unseren Sterne-Hotels dürfte es dann (zumindest bei der Klassifizierung) abwärts gehen.

 

Quelle = www.lancom-systems.de

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