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Zur IFA hat Minisforum den MS-S1 MAX-P495 vorgestellt, den Nachfolger des Geräts, das wir vor einigen Wochen ausführlich betrachtet haben. Die Schlagzeile ist schnell erzählt: 192 GB Unified Memory statt 128, davon bis zu 160 GB als VRAM zuweisbar. In einer Zeit, in der jeder zweite Homelab-Betreiber ein größeres Sprachmodell lokal betreiben möchte, klingt das nach dem entscheidenden Schritt.
Die interessantere Frage ist aber eine andere: Was genau kann man mit 160 GB, das mit 110 GB nicht ging, und wie schnell läuft es dann? Dafür muss man rechnen statt Datenblätter zu zitieren. Genau das machen wir hier.
Die kurze Antwort
Der Sprung ist ein reiner Speichersprung. Die Rechenleistung bleibt praktisch unverändert, die Architektur ist dieselbe. Er öffnet genau eine Sache, nämlich Modelle zwischen etwa 200 und 300 Milliarden Parametern in Vier-Bit-Quantisierung sowie Modelle um 120 Milliarden Parameter in Acht-Bit. Wenn du ein solches Modell konkret brauchst, ist das Gerät für dich gebaut. Wenn nicht, ist das 128-GB-Modell die bessere Entscheidung, und zwar mit steigender Tendenz, weil sein Preis durch den Nachfolger unter Druck gerät.
Was wirklich neu ist, und was nicht
Beginnen wir mit den bestätigten Daten, denn hier wird in Meldungen einiges durcheinandergeworfen.
| Merkmal | MS-S1 MAX (Vorgänger) | MS-S1 MAX-P495 (neu) |
|---|---|---|
| Prozessor | Ryzen AI Max+ 395 | Ryzen AI Max+ PRO 495, 16 Zen-5-Kerne, 32 Threads, bis 5,2 GHz |
| Grafikeinheit | Radeon 8060S | Radeon 8065S, 40 CU bei 3,0 GHz |
| Unified Memory | 128 GB | 192 GB LPDDR5X-8533 |
| Davon als VRAM zuweisbar | rund 96 bis 110 GB | bis 160 GB |
| Rechenleistung gesamt | 126 TOPS | 131 TOPS |
| davon NPU | 50 TOPS | 55 TOPS |
| Netzwerk | 2x 10 Gigabit | 2x 10 Gigabit |
| USB4 | 2 Anschlüsse | 4 Anschlüsse, davon zwei nach USB4 V2 mit 80 Gbit/s |
| Erweiterungssteckplatz | x16 mechanisch | x16 mechanisch, aber nur PCIe 4.0 x4 angebunden |
Drei Dinge fallen auf, die in der Berichterstattung meist fehlen.
Der Rechenzuwachs liegt bei vier Prozent. 131 gegenüber 126 TOPS ist innerhalb der Messtoleranz dessen, was man im Alltag merkt. Wer auf mehr Geschwindigkeit hofft, bekommt sie nicht. Gorgon Halo ist ein Refresh der Strix-Halo-Plattform, keine neue Architektur.
Es sind vier USB4-Anschlüsse, nicht zwei. Zwei davon arbeiten nach USB4 V2 mit 80 Gbit/s. Das ist die eigentliche Verbesserung bei den Anschlüssen und relevant für externe Speicheranbindung.
Der PCIe-Steckplatz täuscht. Er ist mechanisch x16, elektrisch aber nur mit vier Lanes nach PCIe 4.0 angebunden. Für eine Netzwerkkarte oder zusätzlichen Speicher reicht das völlig. Wer dort eine Grafikkarte als zusätzlichen Beschleuniger einsetzen will, läuft in eine spürbare Bremse. Das ist kein Randdetail, sondern schließt einen naheliegenden Ausbauweg faktisch aus.
Was 160 GB VRAM wirklich öffnen
Hier lohnt das Nachrechnen, denn die Frage lautet nicht „mehr Speicher, schön", sondern: Welches Modell passt jetzt, das vorher nicht passte?
Als grobe Faustregel für den Speicherbedarf der Gewichte gilt: In Vier-Bit-Quantisierung rechnest du mit etwa 0,5 GB pro Milliarde Parameter, in Acht-Bit mit etwa 1 GB. Dazu kommt Platz für den Kontext, der bei großen Kontextfenstern erheblich sein kann. Daraus ergibt sich diese Einordnung:
| Modellgröße | Quantisierung | Bedarf für Gewichte | 128 GB (rund 110 nutzbar) | 192 GB (160 nutzbar) |
|---|---|---|---|---|
| 70 Milliarden | Vier-Bit | ca. 35 bis 40 GB | passt bequem | passt bequem |
| 70 Milliarden | Acht-Bit | ca. 70 bis 75 GB | passt | passt bequem |
| 120 Milliarden | Acht-Bit | ca. 120 bis 130 GB | passt nicht | passt |
| 235 Milliarden | Vier-Bit | ca. 120 bis 135 GB | passt nicht | passt |
| 284 Milliarden | Vier-Bit | ca. 145 bis 155 GB | passt nicht | passt knapp |
| 405 Milliarden und mehr | Vier-Bit | ab ca. 210 GB | passt nicht | passt nicht |
Das ist der ehrliche Nutzen des Upgrades: Es schiebt die Grenze von etwa 70 bis 100 Milliarden Parametern auf etwa 250 bis 300 Milliarden in Vier-Bit. Das ist ein echter Sprung. Es macht aber aus dem Gerät keine Maschine für die ganz großen Modelle, die weiterhin außer Reichweite bleiben.
Der eigentliche Flaschenhals heißt Bandbreite
Jetzt der Teil, den die meisten Meldungen auslassen, obwohl er über die Alltagstauglichkeit entscheidet. Ein Sprachmodell muss für jedes einzelne erzeugte Token die benötigten Gewichte aus dem Speicher lesen. Die Geschwindigkeit hängt deshalb weniger an der Rechenleistung als an der Speicherbandbreite.
LPDDR5X-8533 an einem 256 Bit breiten Interface liefert grob 270 GB/s. Daraus folgt eine simple Obergrenze: Token pro Sekunde entspricht etwa Bandbreite geteilt durch die Datenmenge, die pro Token gelesen werden muss.
Für ein dichtes Modell mit 150 GB Gewichten bedeutet das rund 270 geteilt durch 150, also nicht einmal zwei Token pro Sekunde. Das ist kein Tippfehler. Ein dichtes Modell dieser Größe ist auf dieser Plattform praktisch unbenutzbar, egal wie viel Speicher vorhanden ist.
Für ein Mixture-of-Experts-Modell sieht die Rechnung völlig anders aus, weil pro Token nur ein Bruchteil der Parameter aktiv ist. Bei etwa 30 Milliarden aktiven Parametern in Vier-Bit sind das rund 17 GB pro Token, also 270 geteilt durch 17 und damit etwa 16 Token pro Sekunde.
Und genau hier schließt sich der Kreis zu den Herstellerangaben: Minisforum nennt für ein 284-Milliarden-Modell in Vier-Bit rund 15 Token pro Sekunde. Diese Zahl ist plausibel, aber sie ist es nur, weil es sich um ein MoE-Modell handelt. Wer daraus ableitet, das Gerät liefere generell 15 Token pro Sekunde bei 284 Milliarden Parametern, hat die Architektur missverstanden.
Erstens stammen sämtliche bislang bekannten Token-Raten aus Minisforums eigenem Labor. Unabhängige Messungen fehlen zum Zeitpunkt dieses Beitrags ausdrücklich. Zweitens nennen Minisforums eigene Shopseiten Zahlen, die sich auf einen Verbund aus mehreren Geräten beziehen: ein 397-Milliarden-Modell mit 16 Token pro Sekunde im Zwei-Geräte-Cluster, ein 671-Milliarden-Modell erst im Vier-Geräte-Verbund. Wer diese Werte für die Leistung einer einzelnen Box hält, plant mit dem Vierfachen dessen, was er kauft.
Die Einordnung im Markt
Das Gerät steht nicht allein. Auf derselben Plattform basieren der ACEMAGIC F9A mit ebenfalls 192 GB, dessen Messepreis bei rund 8.000 Euro lag, sowie der für Oktober 2026 angekündigte GMKtec EVO-X5 Pro. Nach oben ist der Vergleichspunkt der NVIDIA DGX Spark, den wir hier eingeordnet haben und der mit deutlich reiferer Software-Unterstützung punktet, aber preislich in einer anderen Liga spielt.
Der ehrlichste Vergleich ist allerdings der nach unten, zum eigenen Vorgänger. Den haben wir ausführlich getestet, inklusive realistischer Token-Raten und dem Stand von ROCm und Vulkan: Minisforum MS-S1 MAX im Detail. Die Software-Situation hat sich seitdem nicht grundlegend geändert, und sie ist bei diesen Geräten nach wie vor der Punkt, an dem Projekte scheitern, nicht der Speicherausbau.
Kaufen kannst du derzeit nur den Vorgänger
Der MS-S1 MAX-P495 ist in Deutschland Stand 18. September 2026 nicht erhältlich. Es gibt keinen Eintrag bei den gängigen Preisvergleichen, die europäische Herstellerseite nennt weder Preis noch Kaufmöglichkeit. Ein offizieller Preis existiert nicht, die kursierenden Angaben reichen von 5.000 bis über 8.000 Euro. Wer heute eine Maschine für lokale Modelle braucht, kauft deshalb die 128-GB-Generation, und die ist von mehreren Herstellern lieferbar.
BOSGAME M5, Ryzen AI Max+ 395, 128 GB
- Dieselbe Plattform wie der Nachfolger, rund 96 bis 110 GB als VRAM nutzbar
- 2 TB Speicher und Wi-Fi 7 bereits enthalten
- Sofort lieferbar, im Gegensatz zur 192-GB-Generation
- Kein 10-Gigabit-Netzwerk wie beim Minisforum-Modell
Wer Wert auf die Netzwerkanbindung legt, findet sie beim GMKtec EVO-X2 oder beim ACEMAGIC-Modell mit Dual-LAN. Alle drei liegen deutlich unter dem, was für die 192-GB-Generation im Raum steht.
Das Drumherum, das man einplanen muss
Ein Gerät mit zwei 10-Gigabit-Anschlüssen ist nur so schnell wie das Netz dahinter. Wer Modelldateien von einem NAS lädt oder mehrere Geräte koppelt, braucht einen passenden Switch. Für den Anfang genügt ein kompakter Fünf-Port-Switch, im Kleinbüro wird es schnell die Acht-Port-Variante.
TRENDnet TEG-S708, acht Ports mit 10 Gigabit
- Acht Kupferports mit 10 Gigabit, kein Konfigurationsaufwand
- Genug Reserve für NAS, Arbeitsplatz und ein zweites Gerät im Verbund
- Unmanaged, für VLANs brauchst du ein anderes Modell
Bei der Verkabelung führt an geschirmtem Cat-6a-Material kein Weg vorbei, für kurze Wege im Rack sind DAC-Kabel die verlustärmere Variante.
Der zweite Punkt ist Storage. Modelldateien in dieser Größenordnung belegen schnell mehrere Terabyte, und sie werden bei jedem Ladevorgang komplett gelesen. Eine schnelle NVMe ist hier kein Luxus, sondern bestimmt, wie lange du auf den Modellwechsel wartest.
Die Samsung 990 PRO mit 4 TB ist hier die schnelle Variante, die Acer Predator GM7 die günstigere bei nahezu gleicher Leserate. Beide Preise stehen allerdings unter dem Eindruck der aktuellen Marktlage, die wir im Beitrag zur Speicherkrise 2026 aufgeschlüsselt haben. Wer die Laufwerke in einen Virtualisierungshost einbaut statt in den Mini-PC, sollte zusätzlich den Beitrag zu Consumer-SSDs in Proxmox lesen, bevor er zur Consumer-Ware greift.
Der dritte Punkt ist die Leistungsaufnahme. Das Gerät bietet Profile mit 120, 95 und 60 Watt. Wer wissen will, was die Profile im Dauerbetrieb tatsächlich kosten, misst es nach, statt zu schätzen. Ein Energiekostenmessgerät mit feiner Auflösung kostet keine 20 Euro. Und weil ein abgebrochener Inferenzlauf nach einem Stromausfall ärgerlich, ein beschädigtes Dateisystem aber teuer ist, gehört eine kleine USV in dieselbe Rechnung.
Wann sich das nicht lohnt
Die 192-GB-Maschine ist ein Spezialwerkzeug. Es gibt mehr Gründe, sie nicht zu kaufen, als Gründe dafür.
Du betreibst Modelle bis 70 Milliarden Parameter. Dann reicht das 128-GB-Modell mit großem Abstand, und du sparst mehrere tausend Euro.
Du brauchst hohe Token-Raten. Für zügige Antworten bei kleineren Modellen ist eine gebrauchte Grafikkarte mit schnellem Speicher weiterhin überlegen. Die Stärke dieser Plattform ist Kapazität, nicht Geschwindigkeit.
Du willst später eine Grafikkarte nachrüsten. Der x16-Steckplatz mit nur vier angebundenen Lanes macht diesen Plan unattraktiv.
Du brauchst das Gerät jetzt. Es ist nicht kaufbar. Ein angekündigtes Produkt löst kein akutes Problem.
Dein eigentlicher Antrieb ist Datenschutz, nicht Modellgröße. Dann ist die Frage nicht, wie groß das Modell sein darf, sondern wie gut ein kleineres Modell deine konkrete Aufgabe löst. Welche Modelle in dieser Klasse brauchbar sind, haben wir im Überblick zu lokalen Sprachmodellen zusammengestellt. Sehr häufig reicht ein Modell, das auf vorhandener Hardware läuft.
Erst rechnen lassen, dann kaufen
Ob sich eine eigene Maschine für lokale Sprachmodelle rechnet, hängt an Auslastung, Datenschutzanforderung und Modellgröße. Wir schauen uns den konkreten Anwendungsfall an und sagen auch, wenn gehostete Infrastruktur die bessere Antwort ist.
Hosted Services ansehenHäufige Fragen
Was ändert sich beim Sprung von 128 auf 192 GB?
Zuweisbar sind statt rund 96 bis 110 GB nun bis zu 160 GB. Das öffnet in Vier-Bit die Klasse von 200 bis 300 Milliarden Parametern und erlaubt Modelle um 120 Milliarden in Acht-Bit. Die Rechenleistung steigt dagegen nur von 126 auf 131 TOPS.
Ist der Nachfolger eine neue Architektur?
Nein, Gorgon Halo ist ein Refresh der Strix-Halo-Plattform. Der Zugewinn liegt fast vollständig beim Speicher.
Wie realistisch sind die genannten Token-Raten?
Sie stammen aus dem Labor des Herstellers, unabhängige Messungen fehlen. Plausibel sind sie für Mixture-of-Experts-Modelle. Für dichte Modelle dieser Größe begrenzt die Bandbreite das Ergebnis auf wenige Token pro Sekunde.
Kann ich das Gerät in Deutschland kaufen?
Stand 18. September 2026 nicht. Weder Preisvergleiche noch die europäische Herstellerseite führen es kaufbar.
Für wen lohnt sich die 192-GB-Variante?
Für alle, die konkret ein Modell betreiben wollen, das in 128 GB nicht passt, und die mit Token-Raten im niedrigen zweistelligen Bereich auskommen.
Warum ist der PCIe-Slot eine Einschränkung?
Er ist mechanisch x16, aber nur mit vier PCIe-4.0-Lanes angebunden. Für Netzwerkkarten reicht das, für eine zusätzliche Grafikkarte ist es eine deutliche Bremse.
Fazit
Der MS-S1 MAX-P495 ist kein Leistungssprung, sondern ein Kapazitätssprung, und als solcher ist er sauber gemacht. Wer ein Modell im Bereich 200 bis 300 Milliarden Parameter lokal betreiben muss, bekommt hier eine der wenigen Maschinen, die das in einem Gehäuse und bei überschaubarem Stromverbrauch schaffen.
Für alle anderen gilt der unspektakuläre Rat: Das 128-GB-Modell ist die vernünftige Wahl, es ist sofort verfügbar, und sein Preis wird durch den Nachfolger eher fallen als steigen. Und bevor überhaupt Hardware bestellt wird, lohnt der Test, ob das kleinere Modell die Aufgabe nicht ohnehin löst. Diese Prüfung kostet nichts und erspart in der Mehrzahl der Fälle eine vierstellige Anschaffung.
Preise und Verfügbarkeit auf Amazon prüfen, Stand der Angaben ist der 18. September 2026. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen, für dich entstehen dadurch keine Mehrkosten.